Reishi (Glänzender Lackporling) ist zweifellos der berühmteste von allen Heilpilzen und einer der wenigen, deren Verwendung eine so lange Geschichte hat. Einigen Quellen (die jedoch nicht überprüft werden können) zufolge wurde er wahrscheinlich schon vor 5000 Jahren verwendet. Der bekanntere Name „Reishi“ ist eigentlich eine japanische Form des chinesischen Begriffes žuej č‘ = Juej??? Zhi‘ („Pilz des günstigen Schicksals“). Der häufigste in China verwendete Name ist „Ling Zhi'“.

Die weiteren japanischen Namen sind „Mannentake “ (Zehntausend-Jahre-Pilz), „saiwaitake“ (Glückspilz) und „sarunouchitake“ (Affen-Sitz). Wie bereits erwähnt hat dieser Pilz die längste Geschichte seiner Anwendung in China. Zum ersten Mal wurde er vor etwa 2200 Jahren beschrieben, und zwar im ältesten Buch der Welt über Kräuter und zusammenhängende medizinische Themen, „Šen-nung pen-cchao ťing = Shen-nung pen-cchao thing???“, wo er in die Kategorie der höchsten Kräuter eingestuft wurde.

Ling Zhi‘ wurde von den alten Taoisten, die die traditionelle chinesische Medizin gründeten, für den wichtigsten Pilz gehalten. Das chinesische Wort „ling“ setzt sich aus den Zeichen „Regen“, „Schamane“ und „für etwas beten“ zusammen, deren Kombination „geistige Kraft“ oder „Seele erheben“ bedeuten kann. „Zhi‘“ (in verschiedenen Transkriptionen „Zhi“ oder „Chih“) bedeutet „der auf dem Baum wachsende Pilz“ und „Stoffe für die Zubereitung von Elixieren der Unsterblichkeit“.

Alles zusammen kann man poetisch „Kraut der geistigen Kraft“ übersetzen.

Mykologie von Reishi

Der offizielle lateinische Name ist Ganoderma lucidum (seit 1881). Diese Bezeichnung beinhaltet jedoch in der Tat mehrere Arten, und die Unterschiede zwischen ihnen werden noch von den Mykologen untersucht. Die auffälligsten Unterschiede sind offensichtlich in seiner Farbe. In der Natur kommen insgesamt sechs Farbvarianten (rot, violett, schwarz, weiß, grün und gelb) vor.

Roter Reishi ist von diesen sechs der häufigste Gegenstand der Forschung, die zeigt, dass er aus der therapeutischen Sicht auch der wirksamste ist. Es gibt mehrere weitere Arten der Gattung Ganoderma, die heilende Eigenschaften haben, z.B. Ganoderma applanatum (Flacher Lackporling), Ganoderma annulare, Ganoderma tsugae, Ganoderma resinaceum (Harziger Lackporling) und Ganoderma oregonense.

Reishi ist ein Pilz aus der Familie der Stielporlingsverwandten, was bedeutet, dass er keine Lamellen, sondern kleine Röhrchen (porenartige) hat, aus denen sich die Sporen lösen. Er wächst jedes Jahr auf dem unteren Teil der Stämme oder auf Baumstümpfen bestimmter Laubbäume, vor allem der Ahorne und Eichen. Im Gegensatz zum Chaga Pilz (Inonotus obliquus), einem anderen heilenden „Stielporling“, der nur auf lebenden Bäumen wächst, findet man Reishi sowohl auf lebenden als auch auf toten Bäumen. Dank dessen ist sein Anbau viel einfacher (siehe unten).

Reishi mit seinen typischen Fruchtkörpern kommt nur auf zwei oder drei von 10.000 Bäumen in einem bestimmten Gebiet vor.

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Wild wachsender Reishi. Bemerken Sie die Narben und Schäden an der Ober- und Unterseite. Wild wachsender Reishi von höchster Qualität ist sehr selten.

In Nordamerika hat der wilde Reishi gewöhnlich keinen oder nur einen sehr kleinen Stiel, in Asien dagegen in der Regel einen langen, relativ schmalen Stiel. Die Entwicklung des reifen Fruchtkörpers aus einer Spore dauert ein Jahr.

Aufgrund der rauen Umgebung, der Instabilität des roten, wild wachsenden Reishi und seiner Anfälligkeit für Verschmutzung, Krankheiten und Insektenbefall erreicht nur eine begrenzte Anzahl von qualitativ hochwertigen Exemplaren in der freien Natur ihre volle Reife. Eine der Formen, die in der Natur am seltensten sind, ist der „geweihförmige Reishi“. Heute wissen wir, dass diese Form auf einen hohen Gehalt an CO2 in der Atmosphäre zurückzuführen ist. Der geweihförmige Reishi kann daher leicht künstlich angebaut werden.

Die Geschichte von Reishi

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Darstellung eines Tao-Meisters mit Reishi-Pilz.

In China wurde Reishi als die wichtigste Komponente der Therapie Fu-Zheng verwendet. Diese ist eine Form der traditionellen chinesischen Kräutermedizin, wörtlich übersetzt bedeutet sie „Wiederherstellung der Normalität und des Körpergleichgewichts“. Sie kann mit einer modernen westlichen „Immuntherapie“ verglichen werden.

Die Therapie Fu-Zheng heilt keine spezifische Infektion oder Krankheit, sondern hilft die Immunität und die angeborene Kraft des Körpers wiederherzustellen, damit er imstande ist, effektiver mit Symptomen der Krankheit zu kämpfen. Letztendlich sollte sich der Körper selbst heilen. Wie die meisten Heilpilze gilt Reishi als echtes Adaptogen und ist daher für die Therapie Fu-Zheng perfekt geeignet.

Bis vor kurzem konnten von dem Heilpotential dieses Pilzes nur die Reichen und privilegierten Mitglieder der asiatischen Gesellschaft profitieren, weil, wie wir schon gesagt haben, ein Reishi von hoher Qualität aus der freien Natur ziemlich selten ist und weil Reishi für seine erfolgreiche Entwicklung eine sehr spezielle Umgebung braucht.

Im 20. Jahrhundert wurden jedoch effektive Anbaumethoden entwickelt, und deshalb ist dieser Pilz jetzt für jedermann zugänglich. Die jährliche Produktion von China selbst betrug im Jahr 2000 etwa 13.000 Tonnen, drei Jahre später waren es bereits 49.000 Tonnen. Seitdem wächst der Anbau exponentiell.

Vor ungefähr 30 Jahren wurden Produkte aus Reishi auf den westlichen Markt als Nahrungsergänzungsmittel eingeführt.

Reishi ist in der Publikation American Herbal Pharmacopoeia and Therapeutic Compendium (Amerikanisches Kräuter-Arzneibuch und therapeutisches Kompendium) aufgeführt.

Methoden des Anbaus von Reishi

Viele Menschen, vor allem in Asien, glauben, dass, wenn der wild wachsende Reishi selten und sehr teuer ist, er aus der therapeutischen Sicht eine höhere Qualität haben muss als die angebaute Version. Es ist ein häufige Fehler, den Preis mit dem Wert zu verwechseln. In der Tat verhält es sich ganz im Gegenteil. Der wild wachsende Reishi unterliegt leicht Beschädigungen und Kontamination durch Insekten, Schimmel und Umweltverschmutzung. Der Gesamtgehalt an biologisch aktiven Substanzen ist dann sehr instabil, so dass die Qualität nicht zuverlässig gewährleistet ist. Der Pilz erreicht die volle Reife nur selten in einem perfekten Zustand. Anderseits stammt der angebaute Reishi in der Regel aus den wegen einer hohen therapeutischen Wirksamkeit ausgewählten Sorten. Dabei kann der Anbau unter gut kontrollierten Bedingungen erfolgen. Das Ergebnis ist ein homogeneres und zuverlässigeres Produkt.

Die ersten aufgezeichneten Anbauversuche erfolgten im Jahr 1937, eine Massenproduktion ist aber erst seit 1971 möglich, als die Japaner eine Anbaumethode unter Verwendung von Behältern mit Sägemehl entwickelten. Seitdem entwickelten sich die Anbaumethoden weiter.

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Anbaumethoden von Reishi.

Anbau auf Holzscheiten

Es handelt sich um die effektivste Methode, deren Ergebnis ein roter Reishi von ausgezeichneter Qualität mit einem hohen und gleichmäßigen Gehalt an erwünschten bioaktiven Komponenten ist. Die Anbauart garantiert ein maximales Maß an Kontrolle über die mögliche Verunreinigung. Diese Methode ist aufwendig, weil sie bestimmte Arten von Holz erfordert, das man austrocknen lassen und weiterverarbeiten muss. Die verwendeten Holzscheite werden „duanwood“ bezeichnet, was „ursprüngliches Holz“ bedeutet, also dasselbe Holz, auf dem der Reishi  in der Natur wächst. Nach der Inokulation mit dem Myzel des Reishi werden die Scheite in einem an Nährstoffen reichen Boden vergraben.

Die Fruchtkörper können erst nach einer ziemlich langen Zeit (10-12 Monate) geerntet werden. Während dieser Zeit ist es notwendig, die wachsenden Pilze täglich zu behandeln. Es ist sehr wichtig, die richtige Luftfeuchtigkeit und Temperatur einzuhalten.

In Kombination mit der Auswahl von qualitativ hochwertigen Sorten des Pilzes ist dies der beste Weg, einen therapeutisch wirksamen Reishi anzubauen.

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Duanwood Red Reishi. Reishi von einer exzellenten Qualität, gereift auf einem hierfür hergerichteten Holzscheit.

Sägemehl / Holzhackschnitzel in Säcken

Die Pilze werden in den mit Holzhackschnitzeln und Sägemehl gefüllten Säcken oder Flaschen angebaut.

Das ist viel billiger als die Verwendung von Holzscheiten, aber die resultierenden Reishi-Fruchtkörper sind kleiner, und es wurde festgestellt, dass sie einen geringeren Gehalt an bioaktiven Substanzen haben, auch wenn hochwertige Sorten ausgewählt wurden.

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Der Anbau des Reishi in Säcken oder Flaschen ist viel billiger als die Verwendung von Holzscheiten, aber die resultierenden Reishi-Fruchtkörper sind kleiner, und es wurde festgestellt, dass sie einen geringeren Gehalt an bioaktiven Substanzen haben, auch wenn hochwertige Sorten ausgewählt wurden.

Der Anbau in einem Bioreaktor unter Verwendung von flüssigem Substrat

Das Myzel von Reishi wird in einem flüssigen Substrat in Behältern angebaut (die Methode ist auch als „der Anbau in tiefen Schichten“ bekannt). Der Suche nach optimalen Kombinationen von Sorten und Substraten wurde viel Forschungsarbeit gewidmet. Es geht bei weitem um die billigste Methode – vor allem deshalb, weil sie in der Regel nicht von der Entwicklung des Fruchtkörpers abhängt, die sehr zeitaufwendig ist.

Der Anbau im Bioreaktor kann hundertprozentig kontrolliert werden. Die resultierenden Produkte erreichen jedoch noch nicht die gleiche Qualität wie die Methode unter Verwendung von Sägemehl und nähern sich längst nicht der Qualität des auf Holzscheiten angebauten Reishi.

Wenn das Mycel in die Phase der Fruchtkörperbildung übergeht, erhöht sich der Inhalt von therapeutisch interessanten Komponenten. Aber während des Anbaus im Bioreaktor kommt es aus Zeitgründen nie zu dieser Phase, denn je mehr Zeit man braucht, desto teurer ist das fertige Produkt. Der Hauptgrund, warum die Hersteller  den Bioreaktor wählen, sind die Geschwindigkeit und damit auch die niedrigeren Kosten dieses Verfahrens. Mit der schlechten Qualität des so entstehenden Reishis wird im Voraus gerechnet. Sie wird in der Regel mit klugen und irreführenden Marketing-Gimmicks maskiert.

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Der Anbau im Bioreaktor kann vollständig kontrolliert werden. Die resultierenden Produkte erreichen jedoch noch nicht die gleiche Qualität wie das Verfahren, das Sägemehl ausnutzt, und nicht annähernd die Qualität des auf Holzscheiten angebauten Reishi.

Der allgemeine Indikator für Qualität ist seit der Antike die Bitterkeit des Produkts: je größer die Bitterkeit ist, desto höher ist die Qualität.

Der bittere Geschmack wird durch das Vorhandensein von spezifischen Triterpenen verursacht. Das Reishi Myzel selbst ist gar nicht bitter. Es enthält weniger bioaktive Substanzen als der Fruchtkörper – insbesondere ist der Anteil der Triterpene niedriger und es fehlen vollständig Nukleoside (siehe unten). Die Entstehung dieser Substanzen hängt stark von den Verfahren ab, die man beim Anbau im Bioreaktor verwendet.

Triterpene sind sekundäre Stoffwechselprodukte, d.h. Komponenten, die (im Gegensatz zu primären Stoffwechselprodukten) für das Wachstum des Pilzes nicht notwendig sind und nur deshalb entstehen, damit sie dem parasitären Pilz helfen, in der rauen Umgebung zu überleben und in den Wirtsorganismus einzudringen. In sterilen Labortanks entwickeln sich solche sekundären Stoffwechselprodukte daher nicht gut, wenn ihre Bildung nicht künstlich hervorgerufen wird. Die Frage, wie man dies am besten erreichen kann, ist momentan Gegenstand einer Untersuchung.

Bioaktive Stoffe im Reishi

Untersuchungen zeigen, dass die biologisch aktiven Substanzen von Reishi therapeutisch besonders wirksam sind, wenn sie zusammen wirken. Dies wird synergistischer Effekt genannt.

Das Vollspektrum-Präparat wird alle biologisch aktiven Stoffe enthalten. Damit man ihr therapeutisches Potential ausnutzen kann, sollte das Produkt die Form eines Extraktes haben. Die meisten bioaktiven Stoffe sind in den unverdaulichen Chitin-Zellwänden von Pilzen gelagert, also im Gegensatz zu den meisten Kräutern nicht direkt in den Zellen. Die Extraktion ist von wesentlicher Bedeutung. Ohne sie ist es nicht möglich, die Zellwände zu verletzen und die bioaktiven Stoffe aus ihrem „Chitin-Gefängnis“ zu befreien“.

Im Fall von Tinkturen aus Reishi wird – fälschlich – ein Verfahren verwendet, das gut bei Kräutern funktioniert: frische Kräuter legt man in Alkohol oder Wasser und die Zellulose  (das Baumaterial der Zellwände von Pflanzen) zerlegt sich relativ schnell. Die bioaktiven, in den Zellwänden enthaltenen Stoffe (und in den Zellen selbst) werden bioverfügbar. Das Chitin zersetzt sich jedoch weder in Alkohol noch in Wasser leicht.

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Die wichtigsten bioaktiven Komponenten von Reishi und ihre erwarteten therapeutischen Wirkungen.

Polysaccharide

Wie praktisch bei allen Heilpilzen sind die wichtigsten bioaktiven Komponenten von Reishi die wasserlöslichen (1>3)-(1> 6)-beta-D-Glucane, die ein Bestandteil der Polysaccharidfraktion sind. (Alle Beta-Glucane sind Polysaccharide, aber nicht alle Polysaccharide sind Beta-Glucane!) Die Forschung klärte, dass diese Glucane in erster Linie auf das Immunsystem wirken, das sie ins Gleichgewicht bringen. Die Heißwasserextrakte enthalten bioverfügbare Polysaccharide. In Abhängigkeit von der Qualität des Rohstoffes und dem Extraktionsverfahren kann bis zu 50% an Polysacchariden erzielt werden.

Neben den oben genannten wurden auch an Proteine und Peptide gebundene Polysaccharide (Proteoglycane, Peptidoglykane, Glycopeptide usw.) isoliert. Diese konkreten bioaktiven Stoffe befinden sich nur in dem durch ein spezielles Doppelextraktionsverfahren hergestellten Präparat aus Reishi.

Erwähnenswert ist die Feststellung, dass Reishi mehr bioaktive, in Wasser unlösliche Polysaccharide enthält als Polysaccharide, die wasserlöslich sind. Dies beweist wieder die Bedeutung der Doppelextraktion – nur die Kombination der Ethanol- und Heißwasserextraktion (im Rahmen eines mehrphasigen Prozesses) kann das Vorhandensein von allen bioaktiven Stoffen garantieren – löslichen sowie unlöslichen.

Anti-Krebs und immunmodulatorische Effekte von Beta-Glucanen und gebundenen Polysacchariden sind Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung seit 1957.

Triterpene

Von anderen Pilzen unterscheidet sich Reishi durch einer großen Vielfalt an Triterpenen, die ihm einen unverwechselbaren intensiven bitteren Geschmack geben (der für einen Indikator der Qualität gehalten wird). Bisher wurden in diesem Pilz mehr als 150 Triterpene identifiziert. Eine ganze Gruppe – die Gruppe der Ganodersäuren – ist nur in Reishi und anderen Arten der Gattung Ganoderma (Glänzender Lackporling) vertreten. Sie alle haben eine therapeutische Wirksamkeit.  Es wird angenommen, dass die hypolipidämischen und antioxidativen Effekte gerade diesen besonderen Triterpenen zugerechnet werden können, die durch die Wirkung der Polysaccharidfraktionen synergistisch verstärkt sind.

Die Triterpene werden dank ihrer Wirkung auf wachsende Tumoren – in vivo und in vitro – auch als potenzielles Anti-Krebs-Mittel angesehen: im Gegensatz zu Beta-Glucanen, die das Immunsystem aktivieren, wirken sie zytotoxisch direkt an den Tumorzellen.

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Das Potential von Triterpenen in der Krebsbehandlung ist Gegenstand intensiver Forschung.

Weiterhin inhibieren die in Reishi enthaltenen Triterpene die HIV-1-Protease und die HIV-2-Protease. Es wurden auch ihre hepatoprotektiven Effekte (in vivo und in vitro) entdeckt.

Triterpene befinden sich nur in den durch die Doppelextraktion gewonnenen Präparaten aus Reishi, weil alle fettig und unlöslich in Wasser sind. Da die Ausbeute an Triterpenen aus Reishi sehr niedrig ist, sind die Nahrungsergänzungsmittel mit einem hohen Prozentsatz von reinen Triterpenen extrem teuer.

Der Prozentsatz kann bis zu 25% (ausgenommen Präparate aus Sporen) erreichen. Für die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln ist es von grundlegender Bedeutung, ein entsprechendes Gleichgewicht zwischen hohen Anteilen an Triterpenen und Polysacchariden auf der einen Seite und der Bioverfügbarkeit auf der anderen Seite zu erzielen.

Nukleoside, Mineralien und Spurenelemente

Wie der Pilz Cordyceps sinensis (Chinesischer Raupenpilz) enthält auch Reishi bioaktive Nukleoside wie Adenosin, Uridin und Guanosin, die zum Beispiel die Blutgerinnung beeinflussen und die Fähigkeit der roten Blutkörperchen verbessern, Sauerstoff zu absorbieren.

Nukleoside befinden sich insbesondere in dem Teil des Fruchtkörpers rund um die  Sporenröhrchen (Hymenophor-Gewebe). Viele Hersteller von Reishi geben im Rahmen des Marketings „große“ Mengen z.B. von Adenosin in ihren Produkten an. Unsere Forschung hat aber nur 0,08 mg / kg (d.h. 0,000008%) nachgewiesen, also nur eine Spurenmenge, was viel weniger ist als der Gehalt an Adenosin im Pilz Cordyceps sinensis. Das Myzel enthält offenbar keine messbaren Mengen von Nukleosiden.

Reishi ist auch reich an Mineralien und Spurenelementen – der Mineralgehalt beträgt ca. 10%. Die Hauptkomponenten sind Natrium, Kalium, Calcium und Magnesium.

Einige Quellen betonen, dass Reishi organisches Germanium enthält. Germanium ist zwar kein essenzielles Element, aber bei der Verabreichung in niedrigen Dosen werden ihm immunpotenzierende, Antitumor-, Antioxidations- und antimutagene Effekte zugeschrieben. Es gibt jedoch keine stichhaltigen Beweise dafür, dass dieses Element mit irgendwelchen spezifischen gesundheitlichen Vorteilen des Reishi Pilzes verbunden wäre. Es ist nur in Spurenmengen vertreten.

Bioverfügbarkeit

Man sollte sich bewusst machen, dass die meisten erwähnten bioaktiven Stoffe nur dann eine therapeutische Wirkung haben, wenn sie in einem durch die richtige Extraktion hergestellten Präparat aus Reishi enthalten sind.

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Getrockneter Reishi in Scheiben geschnitten.

Diese absolut entscheidende Sache wird als „Bioverfügbarkeit“ bezeichnet (das heißt, ob wir das Produkt wirklich absorbieren und somit daraus einen therapeutischen Nutzen ziehen können). Unter „korrekter Extraktion“ wird ein zweistufiger Extraktionsprozess unter Verwendung von Ethanol, Heißwasser und Alkoholfällung verstanden. Zur Erhöhung der Ausbeute und zur Erzeugung eines vollspektralen Präparats mit einer hohen Reinheit und einem hohen Anteil an bioaktiven Mitteln müssen Extraktionsverfahren verwendet werden, die arbeitsintensiv (und somit teuer) sind.

Bei den meisten der Reishi-Präparate, die auf dem Markt verfügbar sind, handelt es sich entweder um gar keine Extrakte oder nur um durch Heißwasser-Extraktion hergestellte Produkte. Das kann man leicht erkennen, wenn Sie wissen, worauf zu achten ist: das Etikett mit Angaben über das Nahrungsergänzungsmittel enthält entweder keine Informationen über bioaktive Stoffe (keinen Prozentsatz von Polysacchariden, etc.), oder es ist dort zum Beispiel nur „Extrakt 10: 1“ angegeben – was keine Bedeutung als Indikator der Qualität hat. Der „Extrakt“ ist in diesem Fall in der Regel ein falscher Begriff. Es wäre zutreffender, über ein „Konzentrat“ zu sprechen, weil das Verhältnis oft nur eine Gewichts- oder Volumenreduktion angibt. Diese Angaben über das Verhältnis können nicht unabhängig überprüft werden und sagen nichts über den Gehalt an bioaktiven Stoffen.

Traditionell wurden die getrockneten Reishi Fruchtkörper in lange, dünne Scheiben geschnitten, von denen dann Tee gekocht wurde.

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Die Zeitschrift Choice Magazine ist ein führendes Periodikum, das sich dem Interessenschutz der Verbraucher von Hongkong widmet.

Diese traditionelle Methode unterzog der Verbraucherrat von Hongkong (Choice Magazine Nr. 286, 15. August 2000) einem Test. Der hausgemachte Tee aus Reishi wurde im Rahmen des Tests mit einem professionell zubereiteten Extrakt verglichen.

Das die Studie durchführende Team kochte 15 Gramm Scheiben aus rotem Reishi in 300 ml Wasser (etwa eine Tasse) eine Stunde lang. Die Laboranalyse zeigte dann, dass ca. 0,076 g (etwa 0,5%) Polysaccharide ins Wasser ausgelaugt wurden. Die Studie ergab daher, dass diese Methode, bei der der Verbraucher den Reishi kocht, nicht nur mühsam, sondern auch sehr viel teurer und offensichtlich weniger wirksam ist als die Verwendung von industriellen, aus Reishi hergestellten Fertigprodukten.

Einer der Gründe für den geringen Anteil von Polysacchariden im Tee ist der Folgende. Die Polysaccharide sind lange Ketten von Molekülen, die zerfallen und damit ihre biologische Aktivität verlieren, wenn sie langfristig hohen Temperaturen ausgesetzt sind. Die Forschung hat gezeigt, dass es zu keinem Zerfall kommt, wenn das Kochen des getrockneten Pilzes unter Druck verläuft, wodurch eine viel höhere Ausbeute an bioaktiven Polysacchariden gewonnen wird.

Heißwasserextraktion unter niedrigem Druck (z.B. Zubereitung von Pilz-Tee) ist uneffektiv.